Gibt es sie überhaupt, die Hashimoto Diät?

Nein. Es gibt nicht die eine Diät für Hashimoto-Betroffene. Ernährung bei Hashimoto ist, wie die Erkrankung selbst, für jeden individuell und nicht zu pauschalieren. Was für den einen gut funktioniert, verursacht bei anderen starke Reaktionen. Starre Ernährungsformen werden dich wahrscheinlich nicht weiterbringen. Ich rate dir, dich davon zu lösen. Versuche herauszufinden, welche Nahrungsmittel dir gut tun. Es geht nicht darum möglichst viele Dinge zu meiden. Sei dir einfach bewusst, dass es einige Nahrungsmittel gibt, die eine Autoimmunerkrankung triggern können. Warum ist das so?

Häufig entstehen Autoimmunerkrankungen im Darm. Hier sitzt mit einem Anteil von etwa 80% unser Immunsystem. Solange die Darmschleimhaut stark und intakt ist, bildet sie zusammen mit der Darmflora, dem Mikrobiom, eine schützende Barriere gegen die Außenwelt. Gerät die Darmflora aus dem Gleichgewicht und wird die Darmschleimhaut angegriffen oder gar zerstört, kann ein Leaky-Gut-Syndrom entstehen. Es gelangen Stoffe und Partikel durch die gelockerte Barriere in unser Blut, die dort nicht hingehören. Ist dieser Zustand von Dauer, kommt es unter anderem zu Fehlfunktionen des Immunsystems und die Entstehung einer Autoimmunerkrankung ist gegeben.

Es ist also wichtig das Augenmerk darauf zu legen, welche Nahrungsmittel unserem Darm Probleme bereiten und auf Dauer schädigen können. Was stellt ein Lebensmittel in unserem Körper an, wenn wir es zu uns nehmen? Wie sehr kann ich mein Befinden mit Ernährung beeinflussen? Finde heraus was dir Energie schenkt und was dir Energie entzieht und Beschwerden hervorruft. 

Die Trigger

Gluten

Gluten ist ein sehr stabiles Proteingemisch aus Gliadin und Glutenin. Es ist Bestandteil von Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Kamut, Emmer und Einkorn. Bei regelmäßigem Verzehr kann Gluten die Darmbarriere zerstören und sogar zu erheblichen Entzündungsprozessen führen, wenn diese nicht intakt ist. Gelangt Gluten aufgrund der durchlässigen Darmwand in den Blutkreislauf, gerät unser Immunsystem in Alarmbereitschaft und schüttet Antikörper aus. Hier beginnt das Problem! Unser Schilddrüsengewebe und das Protein Gliadin ähneln sich in ihrer molekularen Zusammensetzung. Das Immunsystem greift in Folge dessen die Schilddrüse an, versetzt das Gewebe in einen Entzündungszustand, wodurch es allmählich zerstört wird. Die Schilddrüsenfunktion wird folglich eingeschränkt. Der Verzicht auf Gluten reduziert vielerlei Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Depressionen, Gehirnnebel, Gelenkschmerzen, Wassereinlagerungen, Atemwegsinfekte oder Hauterkrankungen.

Milchprodukte

Nichts wird so sehr diskutiert, wie der Verzehr von Kuhmilch und den Produkten hieraus. Milchprodukte können die Hormonproduktion beeinflussen. Deshalb solltest du vor dem Verzehr von Milchprodukten einen Mindestabstand von 2 Stunden nach Einnahme deiner Schilddrüsenhormone einhalten.
Bei glutensensitiven Menschen liegt häufig eine gleichzeitige Milcheiweißunverträglichkeit vor. Zudem kann Alpha-1-Casein Entzündungen der Darmschleimhaut verursachen. Solltest du bereits auf Gluten verzichten und noch immer von Symptomen geplagt sein, streiche versuchsweise jegliche Arten von Milchprodukten (auch die von Schaf oder Ziege) und schau was passiert. Bessern sich deine Symptome, verschwinden Unreinheiten im Gesicht, solltest du Milchprodukte weiterhin meiden. 

Soja

Soja wird aufgrund seines hohen Gehalts an Protein gern bei einer vegetarischen oder veganen Ernährungsweise verwendet. Jedoch erweist sich der Lektingehalt in der beliebten Hülsenfrucht für uns Hashimotobetroffenen recht problematisch. Soja enthält ebenso einen verhältnismäßig hohen Anteil an Omega-6-Fettsäuren, welche Entzündungen fördern können, wenn unser Körper nicht ausreichend mit Omega-3 versorgt ist. Zudem sind die meisten im Lebensmittelhandel erhältlichen Sojaprodukte hochverarbeitet und enthalten gern auch glutenhaltige Zusätze.

Zucker

Jaaa… jetzt wird es unangenehm. 
Wie wir alle wissen, fördert Zucker eine Reihe der heutigen Zivilisationskrankheiten. Er begünstigt Entzündungen, zerstört die Darmflora und fördert das Wachstum von Candida. Darauf kannst du getrost verzichten. Versuche raffinierten Zucker auf ein Minimum zu reduzieren, besser komplett durch gesündere Alternativen zu ersetzen (wie z.B. Kokosblütenzucker oder Yacon Sirup). Gib acht auf versteckte Zuckerarten. Die Vermeidung von Blutzuckerspitzen und die damit einhergehende Stabilisierung des Blutzuckers schonen deine Nebennieren, die unter Hashimoto überdies schon gestresst sind.

Lektine

Pflanzen nutzen zu Ihrem Schutz vor Fressfeinden Gifte, die diese lähmen und schädigen sollen. Zu den Fressfeinden gehören nicht nur Insekten oder Tiere, sondern auch wir Menschen. Zu den Giften gehören Lektine. Pflanzliche Lektine sind äußerst bindungsfreudig und können Zellen zusammen ballen, ohne diese zu verändern. Wegen dieser Eigenschaft werden sie auch Agglutinine genannt. In unseren Körper binden sie sich beispielsweise an Kohlenhydratstrukturen in der Schleimhaut unseres Darm. Lektine sind in der Lage den Nährstoff- und Sauerstofftransport zu behindern und werden deshalb auch als Anti-Nährstoffe bezeichnet. Selbst haben sie keinen Nährwert, hindern aber die Aufnahme wichtiger Nährstoffe. Dort wo sich Lektine anheften, können sie heftige Abwehrreaktionen hervorrufen sowie Entzündungen auslösen und befeuern.

Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto reagieren häufig empfindlicher auf Lektine. Ist die Darmschleimhaut nicht mehr intakt und die Darmbarriere geschädigt, gelangen sie durch den durchlässigen Darm unverdaut in unser Blut, binden sie sich an andere Gewebszellen und Antigene. Dies hat eine Immunreaktion zur Folge, sowohl gegen die Lektine selbst als auch gegen die Gewebe, an die sie sich gebunden haben.

Bei ordnungsgemäßer Zubereitung kannst du den Lektingehalt in Nahrungsmitteln verringern, da die meisten Lektine nicht hitzebeständig sind. Werden sie ausreichend gekocht, verändern sie ihre Struktur und werden unschädlich gemacht. Auch längeres Einweichen, Keimen oder Fermentieren vor dem Verzehr kann den Lektingehalt senken. 

Auch in Nachtschattengewächsen finden sich Lektine, die sogenannten Hämagglutinine und auch Alkaloide wie Solanin. Letztere verursachen die grünen Stellen in Kartoffeln. Alkaloide können Enzyme hemmen, die eine wichtige Rolle in Nervenzellen spielen. Als Folge können zum Beispiel Gelenk- und Kopfschmerzen, Magenbeschwerden und Hautausschläge auftreten. Hämagglutinine sind nicht besonders hitzestabil, deshalb werden sie gekocht viel verträglicher. Schäle und entkerne Nachtschattengewächse und esse diese möglichst nicht roh.

Jod

Die Zufuhr von Jod kann die Autoimmunreaktion anheizen. Durch die Entzündung der Schilddrüse ist diese nicht in der Lage Jod zu verarbeiten und aufzunehmen. Eine vermehrte Jodzufuhr durch Nahrung oder Ergänzungsmittel führt folglich zu noch mehr Entzündungen. Hier ist also Vorsicht geboten. Tatsächlich liegt häufig sogar ein Jodmangel vor. Sobald sich die Lage beruhigt hat, kann die Supplementierung von Jod notwendig und sinnvoll sein.

Du musst nicht alle aufgeführten Trigger meiden. All das kann jedoch Beschwerden verursachen. Du brauchst ein wenig Geduld, um feststellen zu können, was dir Probleme bereitet. Auch wenn es manchmal nervenaufreibend ist, solltest du dranbleiben.

 

Ernährung, die dir gut tut

 

Grundsätzlich gilt: achte auf unverarbeitete, qualitativ hochwertige Lebensmittel und streiche Fertigprodukte mit ungesunden Zutaten und Zusätzen aus deinem Speiseplan. Denn was erwartest du von deinem Körper, wenn du ihm ungesunde Nahrung voller Zucker, ungesunder Fette oder Konservierungsstoffe zuführst? Denkst du er bleibt dauerhaft gesund, wenn du ihn mit “Müll” fütterst? Denkst du dein Körper kann sich erholen, wenn du ihn immer wieder mit Unverträglichem konfrontierst? Diese Fragen sollen dich dazu bewegen umzudenken. Sei nett zu dir und deinem Körper! Auch eine rundum gesunde Ernährung kann schmackhaft sein und sogar auf Leckereien wie Kuchen oder Schokomousse musst du nicht verzichten. Sei offen für Neues.

Gemüse

Gemüse sollte den größten Anteil deiner Ernährung ausmachen. Es liefert viele Nähr- und Ballaststoffe und ist Gold für deine Darmgesundheit.

Eiweiß/Proteine

Mageres Fleisch, Geflügel, Eier und Fisch dürfen täglich auf deinem Speiseplan stehen, müssen es aber nicht zwangsläufig. Esse lieber weniger tierisches Protein, dafür in hochwertiger Bio-Qualität. Proteinpulver oder Aminosäuren bieten eine Alternative den Eiweißbedarf zu decken, falls dir Fleisch und Fisch nicht gut bekommen oder du lieber darauf verzichten möchtest. Lies hierzu gern meinen Blog-Beitrag zur Eiweißversorgung bei Hashimoto und weshalb eine ausreichende Menge Eiweiß von großer Bedeutung ist.

Gesunde Fette/Omega-3-Fettsäuren

Gesunde Fette solltest du täglich zu dir nehmen, um einen geregelten Hormonhaushalt zu gewährleisten. Hierzu gehören insbesondere Kokosöl, Olivenöl und auch Avocados.
Einen großen Fokus solltest du auf Omega-3-Fettsäuren legen. Sie lindern Entzündungen und stärken das Immunsystem. Diese sind enthalten in fettem Seefisch wie z.B. Lachs oder Walnüssen, Eiern und Chia-Samen. Omega-3-Fettsäuren aus Algen sind eine sinnvolle und nachhaltige Nahrungsergänzung, um wirklich ausreichend versorgt zu sein und der Belastung mit Schwermetallen und Schadstoffen, die beispielsweise in Fisch enthalten sind, aus dem Weg zu gehen.

Kohlenhydrate

Die Schilddrüse benötigt eine gewisse Menge an Kohlenhydraten, um T4 in das stoffwechselwirksame T3 umzuwandeln. Bei strengen Low Carb Diäten oder gar ketogener Ernährung kann dieser Vorgang gestört sein. Die Grenze für die Mindestmenge an KH ist bei jedem sehr individuell. Ein Zuviel solltest du ebenso vermeiden, um die Umwandlung in ungeliebte Speckröllchen zu vermeiden. Hier hilft nur austesten. Als kleiner Richtwert: wenn du nach dem Essen müde bist oder Heißhunger auf Süßes verspürst, waren es wahrscheinlich zu viele KH.
Zur Stabilisierung des Blutzucker- und Insulinspiegels ist es wichtig auf schnelle Kohlenhydrate in Form von Weißmehl, Nudeln, Brot und Zucker zu verzichten. Setze Stattdessen auf langkettige Kohlenhydrate wie Süßkartoffeln, Kartoffeln, Vollkornreis, glutenfreie Haferflocken, Buchweizen, Quinoa und fruktoseärmeres Obst wie Beeren, Kirschen, Birnen, Grapefruit, Orangen.

Antioxidantien/entzündungshemmende Nahrungsmittel

Um Entzündungen zu minimieren und freie Radikale abzufangen ist es wichtig genügend Antioxidantien zu sich zu nehmen. Diese finden sich in Blaubeeren, Grapefruit, Orangen, Acai, Paprika, Brokkoli, Sellerie, Zwiebeln, Gerstengras, Paranüssen, Gewürzen wie Zimt, Ingwer, Pfeffer und Kurkuma sowie Kakao. Du darfst also gern mal ein Stück Zartbitterschokolade (ab 80% Kakaoanteil) vernaschen.

Fermentierte Lebensmittel

Fermentierte Lebensmittel regen das Wachstum von nützlichen Bakterien im Darm an und unterstützen dadurch eine gesunde Darmflora. Hierzu gehören Sauerkraut, Kimchi, Kombucha oder Kefir.

Täglich einen grünen Smoothie

Grüne Smoothies bieten die Möglichkeit eine geballte Ladung Mikronährstoffe aufzunehmen. Zudem helfen sie dem Körper bei der Entgiftung. Ein wichtiger Aspekt bei Hashimoto. Der Smoothie lässt sich durch weitere Zugaben wie z.B. Gerstengraspulver, wertvolle Öle wie z.B. Kokosöl, Mandelmus, Hanfprotein (oder ähnliches) und Rohkakao anreichern. Hier sind keine Grenzen gesetzt, ganz so wie du es magst. 

Nahrungsergänzungsmittel

Trotz einer offensichtlich gesunden, nährstoffreichen Ernährung können Nährstoffmängel vorliegen. Besonders Zink, Vitamin B12, Vitamin D, Vitamin C, Eisen, Selen und Magnesium solltest du im Auge behalten und gegebenenfalls mit qualitativ hochwertigen Nahrungsergänzungsmitteln auffüllen.

Trinken

Ein sehr wichtiger Aspekt ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Dein Körper braucht die Flüssigkeit, um aufgenommene Gifte auszuleiten. Ideal ist hier stilles Mineralwasser oder Kräutertee.

Nun gilt es herausfinden, was dir gut bekommt oder deinen Gesundheitszustand verschlechtert. Hast du bereits experimentiert und Erkenntnisse sammeln können?

Wenn du sofortige Maßnahmen zur Besserung deiner Symptome benötigst, hilft dir das Autoimmunprotokoll. Es handelt sich hierbei um eine Eleminationsdiät. Diese erstreckt sich über ein bis drei Monate oder länger und basiert auf der Grundlage einer Paleo Ernährung. Entzündungen im Körper können schnell abklingen, die Darmflora kann sich regenerieren und das Immunsystem beruhigen. 

In meinem Buch “Meine Hashimoto Ernährung”, erschienen im TRIAS Verlag,  findest du das Reset-Programm mit vielen Rezepten zur Umsetzung und auch weitere Informationen rund um Hashimoto, Darm- und Lebergesundheit. Der Einkaufsführer “Richtig einkaufen bei Hashimoto” unterstützt dich kinderleicht anhand einer Nahrungsmittelampel und gehört eigentlich in deine Handtasche.

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Bei Fragen scheue dich nicht mich zu kontaktieren. Schreibe einfach in die Kommentare oder nutze die Kontaktfunktion. Ich freue mich auf Austausch mit dir.

Alles Liebe

Deine Diana


Hashimoto und die Speckröllchen ist frei von Werbung. Einige von mir empfohlenen Produkte, die ich selbst nutze, sind mit einem Link zu Amazon verwiesen. Wenn du hierüber einkaufst, erhalte ich ein paar Prozentchen Provision. Dies geschieht nicht auf deine Kosten, der Preis erhöht sich für dich dadurch nicht. Du belohnst damit ein wenig meine Zeit und Mühe, die ich für diesen Blog aufwende.